Eigentlich hat man als Fasnächtler die Aufgabe den Winter zu vertreiben. Wir Suuger nehmen uns dies auch jedes Jahr zu Herzen. Nur, wie will man etwas vertreiben, das nicht da ist? Der Winter hielt es nicht für nötig sich zu zeigen. Ich will an dieser Stelle auch gar nicht jammern. Im Gegenteil, so war es meistens angenehm beim Einstehen vor dem Auftritt. Keine steife Brise die einem ins Gesicht bläst, kein Schnee der den Nacken erstarren lässt. Ein fahler Nachgeschmack bleibt allemal. Und dann plötzlich. Der Güdis Zyschtig steht an und wir vor dem Umzug ein. Es regnet, der Wind bläst und sogar den Pferden vergeht das sch******. Naja, letzteres war gelogen. Auch in diesem Jahr gaben sie sich alle Mühe. Aber zurück zum Thema. Wir Suuger wären nicht Suuger, würden wir die Dinge, die wir sowieso nicht ändern können einfach akzeptieren und sogar dort noch etwas Positives abgewinnen. So kann man die durchsichtige Pelerine, die man seit dem Startchlapf in der Tasche hat doch noch brauchen. Manchmal ist sie dann halt doch nicht ganz so durchsichtig und ein Werbegeschenk. Macht aber nichts, solange sie dicht hält. Dies gilt soweit für den einen Teil des Vereines. Der andere bietet dem Sauwetter die Stirn. Ohne Pelerine sehen die Leute das Kleid eh viel besser und falls dann auch noch der Winter am Strassenrand steht – 2 Fliegen auf einen Streich!

Mittlerweile waren wir mitten im Umzug angekommen. Trotz dem schlechten Wetter hatte es einmal mehr sehr viele Besucher. Das erfreut ein jedes Suuger Herz. Die Gedanken an das herabfallende Nass war in weite Ferne gerückt und das Ziel immer näher. Umzugsende! Unter den zahlreichen Schirmen fand man Schärmen. Denn es galt das wenige Trockene zu schützen, um vor dem Auftritt auf dem Rössliplatz nicht ganz Bach ab zu gehen. Die rettende und vor allem trockene Dorfturnhalle war nur noch einen Steinwurf weit entfernt. Geschafft. Schinken und Kartoffelsalat gefasst die Jacke aufgehängt, Zeit sich zu entspannen. Die Pelerinenlosen unter uns fand man dann auch schnell in der Garderobe. Dort hat es meistens einen „Föhn for free“. FFF um es abzukürzen. So ein FFF gibt Wärme und Zwei- bis Dreisamkeit. Man spürt die Nähe des Gegenübers, Nebenaners und – das führt jetzt aber zu weit. Einfach schön so ein Föhn. Item.

Des Seemanns Tracht war wieder intakt, zumindest was die Trockenheit anging. Petrus zeigte erbarmen und liess locker mit dem Regen. Wir Suuger machten uns auf den Weg Richtung Chacheler. Auch dort durfte einmal mehr gespielt werden. Neu stand da ein Zelt, aber nicht irgendein Zelt, bei weitem nicht. Während ich diese Zeilen schreibe kommt mir so manches wieder in den Sinn. So auch die Geschichte vom Zelt. Dieses Zelt, das bei den Chacheler stand, war das Küchenzelt der Jubla. Das Ganze könnte noch durch eine sogenannte „Eck-Band“ aufgepeppt werden, die dann den ganzen Tag spielt und die Leute mit ihrer Musik erfreut. Aus verlässlicher Quelle haben wir diese Informationen (Name der Redaktion bekannt). Falls Sie sich nun fragen wie es weiter geht, muss ich Sie leider enttäuschen. Denn dies ist auch schon das Ende der Geschichte vom Zelt. Diese 2-Satz-Geschichte mit vier wichtigen Infos: Chacheler, Küchenzelt, Jubla und Eck-Band wurde uns während 20 Minuten erzählt. Es waren die längsten 20 Minuten meines Lebens… Danke, konnte ich mein Trauma endlich überwinden.

Kurz vor sieben, der Sternmarsch fängt an. Wir Suuger warteten mit einer kurzen Jam-Session „bem Gooob ääne“ auf unseren Start. Für einmal ziemlich weit vorne im Programm. Das Chluri wurde von Zunftmeisters angezündet. Wir Suuger wollten es ihm gleich tun und die Bühne, zumindest musikalisch anzünden. Zugegeben, alles wurde nicht in die Waagschale geworfen, denn wer will das Pulver schon verschiessen vor dem letzten Auftritt. Dieser stand erst um Mitternacht an. Obwohl es nur ein ganz normaler Auftritt ist, hat er dann doch eine spezielle Bedeutung. Danach ist Schluss! Schluss mit der Fasnacht! Schluss mit den Auftritten! Schluss mit der Guggenmusik! Schluss mit dem Apéro! Schluss mit der einfachen Kleiderwahl! Aber noch lange nicht Schluss mit lustig!

Schluss.

Auftakt zum zweitletzten Tag. Bereits am Mittag ging es mit uns wieder los. Der Car brachte uns nach Emmen ins Shoppingcenter. Wie schon im letzten Jahr, durften wir auch an dieser Fasnacht wieder im Emmen Center unser Können unter Beweis stellen. Voller Tatendrang oder zumindest was vorerst noch übrig war davon steuerten wir in Richtung Bühne. Ohne Angst dafür mit ordentlichen Respekt vor dem Fötzeliräge spielten vor einem gut besetzten Publikum. Im letzten Jahr wurden wir ziemlich mit Fötzeliräge eingedeckt. Die Kinder der Emmenbronx liessen nicht nach, kaum hatte sich der Fötzeliräge auf dem Boden gesetzt wurde er aufgesammelt und erneut vom 1. OG auf uns heruntergeworfen. Dieser Kreislauf fand erst ein Ende als auch das Hinterst und Letzte dieser Nervtöter den Weg in unsere Unterwäsche fand. Nicht aber in diesem Jahr. Nichts, aber auch gar nichts von alledem passierte in diesem Jahr. Alle Spekulationen und Warnungen darüber wurden über den Haufen geworfen. Böse Stimmen behaupteten sogar dies sei alles nur gelogen, geträumt oder an den Haaren herbei gezogen. Theater um Nichts. Tja, hoffen wir auf das nächste Mal.

Gestärkt durch Sandwich und Glace stieg man dann wieder in den Car Richtung Triengen. Nächster Halt Landi. Das nächste Ständli wartet auf uns. Der Apéro war bereits eröffnet als wir kamen. Bevor wir wiederum ins Horn bliesen gab es bei einer unserer Mitglieder Koordinationsprobleme. Namen werden an dieser Stelle keine verraten. Eigentlich sollte man auch kein grosses Tamtam darum machen. Aber, und das ist es ja auch gerade. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt unserem Adi, ca. 180cm gross und mehr als 60kg schwer, den Fötzeliräge, den auch er nicht abbekam in Emmen zu verabreichen. Dies ging aber dann ziemlich in die Hose oder besser gesagt durch Mark und Bein. Denn, als sie bemerkte, dass er bemerkte, dass ihr Vorhaben zum scheitern verurteilt war, nahm sie die Beine unter die Arme und rannte was das Zeug hält los. Leider liess sie die Beine im Eifer des Gefechts wieder los, diese verstanden sich nicht auf Anhin mit dem Beton auf dem sie rannte, so dass sie am Schluss einen klassischen Ränzler aufs Parkett legte und ihre Knie zum bremsen benutzte. Die Moral der Geschichte: „ Wär vöu ladt, treit wenig hei!“ In diesem Fall zwei Wunde Knie, Kaputte Strümpfe und Hohn und Spot! Übrigens, gespielt haben wir dann auch noch. So am Rande bemerkt.

Nach dem Schminken stieg man dann wieder in den Car. Nächstes Ziel an diesem Tag war Pfaffnau. Schränzerball. Unsere Auftrittszeit war spät in der Nacht, so blieb für uns genügend Zeit, sich Kreativ zu trinken oder halt einmal die Seele baumeln zu lassen. Die etwas älteren unter uns und die, die sich mittlerweile älter fühlten nahmen die Kaffeestube in Angriff. Dort gab es Käse, Sumsum und Joli und den neuen Weltrekord in „ Wie viele Becher können die Suuger in möglichst kurzer Zeit am gleichen Tisch umwerfen?“ Beginnen möchte ich mit Sumsum und seinem fantastischen Käse, den er jedes Jahr dabei hat. Er hat diesen wunderbaren Käse immer dabei. Immer dabei in seinem Rucksack, den er nie aus den Augen lässt. Aus den Augen oder aus dem Sinn lässt er höchstens seinen Käse. Welcher, Sie ahnen es wahrscheinlich, er in seinem Rucksack hat und ihn dort auch lässt. Die cleveren unter Ihnen fragen sich nun, woher man weiss dass sein Käse so fantastisch schmeckt. Nun, jetzt kommt Joli ins Spiel. Ohne Joli, hätten wir nie erfahren wie fantastisch Sumsums Käse ist. Hätte sie ihn nicht darauf aufmerksam gemacht, wir hätten es nie erfahren. Danke Joli. Der Weisswein wurde von Schluck zu Schluck besser. Der Servierboy kam kaum nach und niemand wusste wirklich wieviel wir nun auf dem Gewissen hatten. Wirklich niemand? Spielt auch keine Rolle mittlerweile würde es sowieso niemand mehr wissen. Der eigentliche Grund warum es ein paar Flaschen mehr brauchte an diesem Abend war ein ganz simpler. Fast schon im 5 Minuten Takt wurden die Becher umgestossen. So dass wir nach und nach zum Nachbestellen gezwungen wurden. Einmal mehr trifft uns die Schuld nur halb…

22. Februar 2014

Halle-Galli in Zizers

Wenn Engel reisen, lacht der Himmel, sagt man. Weil wir oft reisen und der Himmel so fest Freude hat, kann es vorkommen, dass er gar Tränen lacht – aber sicherlich nicht am letzten Wochenende, als wir uns mit Chauffeur Markus auf den Weg ins Bündnerland machten. Bereits im Schminkraum erkundigten sich um ihre Gesundheit besorgte Suuger nach dem Lichtschutzfaktor der Farbe, man zweifelte ein letztes Mal an den langen Unterhosen und dem Gnägi, welche man im Morgengrauen auf der Bettkante übergezogen hatte und dann, ja dann ging alles plötzlich ganz schnell: Sonnenbrille aufsetzen, im Car hinsetzen, Bier ansetzen und das Vergnügen – dort, wo man letztes Wochenende aufgehört hatte – fortsetzen.

Wir trafen mit etwas Verspätung in Zizers ein, weil ganz Züri auch ins Bündnerland fahren wollte, bezogen – husch – unsere Schlafgemach in der Turnhalle und eilten dann zum Einstehen für den Umzug. Nach den schweisstreibenden Kurven durchs Dorf, wo wir übrigens auch altbekannte Aussuugergesichter erblickten, war es Zeit für eine erste Degustation der lokalen Spezialitäten – Riesling/Sylvaner sowie die Gerschtasuppa bekamen gute Noten.

Nach einem kleinen Platzkonzert, neigte sich der gemütliche Nachmittag seinem Ende entgegen und wir fanden uns beim Nachtessen wieder, wo wir schon bald eine Räuberbande gründeten – was an Dramatik kaum mehr zu überbieten war – und mit dem Servicepersonal Kafirähmli shötleten.

Eine grosse Hauptrolle kam an diesem Abend vor allem unserem schönen Anhänger zu: Nach dem Nachtessen wurde er quasi zur Stehbar umgemodelt und wir widmeten uns den schönen Geburtstagsgeschenken, die wir von vielen lieben Gratulanten anlässlich unseres Jubiläums erhalten hatten. Nachdem die Flaschen leer (der geneigte Leser wird sich vorstellen können, was die Flüssigkeiten an ihrer Zieldestination anrichteten…), der Abend kaum angebrochen, der Anhänger aber sowieso schon offen war, nutzten wir die Gunst der Stunde, verteilten mehr oder weniger wahllos Instrumente und liessen die letzten 20 Jahre musikalisch Revue passieren. Nach einem kleinen, englisch georderten Zwischenbier ging es zum Auftritt auf die Showbühne – hätten wir gewusst, dass es bei den Bündnern erst 10 Stunden nach 18 Uhr Öufi wird, wären wir vielleicht etwas weniger dreigeschossen.

Nach unserem gelungenen Auftritt schwärmten wir alsbald in die Nacht hinaus: Einige hatten noch nicht viel von Zizers gesehen und die unzähligen Bars und Beizli wollten schliesslich noch frequentiert werden, die Kafi getrunken und die Tanzbeine geschwungen. Als man zusammen mit dem Güsel aus der Bar gewischt wurde, bot sich die Möglichkeit, den Heimweg anzutreten – falls man wusste, wohin. Ansonsten verschob man in die nächste Bar.

Im Schlafgemach derweil herrschte munteres Waldsterben. Schön wenn der Schlafsack schon ausgebreitet war, dann konnte man sich kampflos dem Schlaf ergeben, der einen mit offenen Armen empfing. Man tat gut daran, schnell zu schlafen, denn die Zeit dafür ward knapp bemessen: Schon bald herrschte in der Halle wieder Halle-Galli – und vorbei war’s mit der Gemütlichkeit.

In der Bar, ein paar Stunden vorher, hatte man es noch lauthals gesungen: „Steh auf, wenn du ein Suuger bist!“…nun hatte das Leben eine unerwartete Wendung genommen – wenn doch alles so leicht getan wie gesungen wäre… So lange man im Schlafsack steckte, konnte man noch so tun, als sei man eine Raupe, spätestens dann aber in der Garderobe wurde das Desaster unausweichlich: Jawoll, da ist ein Gewitter im Spiegel. Und jawoll, es trägt meinen Namen.

Draussen in der Welt herrschte dann aber wieder eitel Sonnenschein – das erste Kafi oder ein kleines Frühstück gaben denn auch der Persönlichkeit wieder etwas mehr Profil. So konnten wir getrost die Heimreise antreten. Kleid waschen, abhusten, schlafen. Und dann: vorfreuen. Der Schmudo kann kommen.

15. Februar 2014

Spiel das Spiel

Start: Gehe ins Schminklokal und lass dich schminken. Sei pünktlich, gut gelaunt und denk ein wenig mit. Schliesslich ist die Zeit knapp bemessen und keiner mag zu früh, zu lange warten auf die anderen die da nachkommen.

Verweile: Bist du erst mal geschminkt, ist der erste Stress vorbei und du kannst dich pachifig (Bündner Ausdruck für gelassen, „ned driischüsse“) im Rössli verweilen. Du gönnst dir dort eine Stange oder Kaffee oder auf was du gerade Lust hast. Hier gibt es dann auch noch die Möglichkeit sich die Augen zu schminken oder andere Geschäfte zu erledigen.

Fahre fort: Sobald der Car da ist suchst du dir ein Plätzli, am besten neben jemandem den du magst oder der dir sowieso noch ein Bier schuldet. Falls du eher der Schämpis-Typ bist, geselle dich in die Schämpis-Kurve in der hinteren Region des Cars. Hast du dich dann für einen Platz entschieden, schnapp dir irgendein Getränk, halte es in die Luft und verlange lautstark „Kontakt“ du wirst erhört werden. Versprochen! Falls dem Chauffeur die Getränke ausgehen weil wieder einer gehamstert hat, suche ihn auf, er wird dir gerne eines zu einem Apothekerpreis verhökern.

Sei bereit: Sobald der Car das Ziel erreicht hat, steige aus. Schnapp dir je nach dem dein Instrument und folge den Anweisungen. Es kann vorkommen, dass mit einem Monsterkonzert gestartet wird. Für ein Zwischenbier reicht die Zeit aber immer, denk daran.

Auftritt 1: Das Monsterkonzert. Hier kannst du ein erstes Mal dein Können unter Beweis stellen. Immer ein glatter Einstieg in den Abend ausser: A) es hört dir kein Schwanz zu, B) der Tambi experimentiert, C) es pfeifft der Biiswend um die Ecke oder D) die Carfahrt dauert mehr als 45 Minuten. Entscheide dich für nichts von alle dem und du bist auf der sicheren Seite, so geschehen in Malters.

Verpflegung: Kurz nachdem du aus dem Car gestiegen bist, hat dir jemand einen „Bönn“ in die Hand gedrückt. Den darfst du, wenn du ihn noch hast, gegen eine warme Mahlzeit einlösen. Hierbei ist zu erwähnen, weniger ist oft mehr. Das kulinarische Angebot reicht von Risotto à la nature bis hin zu Salsiccia con acqua. Oder es gibt Penne Bolognese mit extra Käse, extra lecker wie in Malters.

Auftritt 2: Irgendwann bist du mit deiner Guggenmusig an der Reihe. Hier kann es dich an alle möglichen Orte, zu unmöglichen Zeiten, verschlagen. In Malters dagegen durften alle am selben Ort spielen. Pech hatten nur „die vo’s Rhythmusse“, wir Bläser standen im trockenen und sie im Regen mit den anderen Zuschauern die dem Wetter trotzten.

Bartanz: Sobald das Istrument im Anhänger verstaut ist, kann es noch einmal losgehen mit der Gemütlichkeit. Meistens stehen dir mehrere Lokalitäten zur Auswahl. Der Suuger entscheidet sich dann meist für alle. So auch in Malters, zuerst sucht man die Kaffeestube auf. Plötzlich zuckte aber dann das Tanzbein und man zieht weiter in die Bar. Tanzend, anstossend, fotografierend, lächelnd und vor allem gut gelaunt verging die Zeit einmal mehr viel zu Schnell.

Ziel: Am Schluss musst du nur noch den Car erwischen. Fortgeschrittene verzichten auch gerne mal darauf. Jedoch kann es dann mit dem nach Hause kommen echt Mühsam werden. Arrangez vous!

Unser nächstes Ziel wird Zizers im Bünderland sein. Auf jeden Fall werden wir es pachifig angehen!

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